Das erste Anbaujahr

Am 12. April ist das Saatgut bei unserem Projektkoordinator Hans Hess eingetroffen und wurde an die Landwirte verteilt.

Die Aussaat erfolgte in den nächsten Tagen, mitten in einer lange anhaltenden Trockenperiode. Wir hatten in diesem Frühjahr bis in den Mai nur die Hälfte des ansonsten üblichen Niederschlags und die Ackerkrume war restlos ausgetrocknet.

 

Alle haben die Luft angehalten, denn die Erwartungen waren hoch. Viele Landwirte hatten von dem Vorhaben gehört und wir hatten natürlich Angst, dass der Start für die Musterflächen nicht gelingen könnte.

Starke Trockenheit bei der Aussaat

Als die ersten Spötter laut wurden und den Mißerfolg vorhersagten, griffen wir zu drastischen Notmaßnahmen und bewässerten aus Regentonne und Gießkanne allabendlich eine überschaubare Fläche in der Hoffnung, dass sich zumindest dort der gewünschte Aufwuchserfolg einstellt.

Der Juni brachte Regen

Anfang Juni gab es dann den sehnsüchtig erwarteten Niederschlag und im Juli zeigten die Flächen schon eine ordentliche Aufwuchshöhe. Wir konnten uns entspannen und warteten auf die ersten Blütenstände.

Aus dieser Zeit liegen auch mehrere Beobachtungen vor, die davon berichten, dass die Rehe und Hasen am Abend aus dem Wald zur Äsungsaufnahme direkt in die EAW-Flächen gezogen sind. Fasan und Rebhuhn hatten die Flächen schon als Schutz- und Deckungsflächen erobert.

Ende Juli standen die Kulturen in voller Blüte

Ende Juli hatten die Flächen alle schon beachtliche Höhen erreicht und wurden bunt durch die Malvenblüten und Sonnenblumen. Die Felder brummten von Bienen und Hummeln.

In dieser Zeit sollte auch eine avifaunistische Begleituntersuchung durch die staatliche Vogelschutzwarte in Hessen durchgeführt werden. Leider wurden bis heute keine Daten und Ergebnisse vorgelegt und wir sind alle enttäuscht, dass dieses Vorhaben so mißlungen ist.

 

Aber auch ohne diese Unterstützung stellten die Vertreter der örtlichen Vogelschutzvereine und die Imker fest, dass dieses blütenreiche Angebot in der zu dieser ansonsten fast blütenlosen Zeit von Insekten und Vögeln angenommen wurde. Sobald die Obstblüte vorbei ist und der Raps abgeblüht hat, leiden alle Tierarten der Feldgemarkung Not. Die von Natur aus artenreichen Wegränder und Feldraine sind mittlerweile auf solch kleine Restbestände reduziert, dass davon kein vielfältiges Insektenleben möglich ist.

Ein Sommergewitter legte viele Sonnenblumen um

Im August wurden manche Flächen durch ein heftiges Sommergewitter beeinträchtigt. Insbesondere die über drei Meter hohen Sonnenblumen legten sich um, was später zu Erschwernissen bei der Ernte führte.

Die Sonnenblume ist eine einjährige Pflanze und ist aber nächsten Jahr nicht mehr in dem Pflanzenkollektiv enthalten. Sie war beigemischt, um im ersten Standjahr den Massenertrag zu stützen, bis die mehrjährigen Pflanzen ab dem zweiten Standjahr zu voller Leistungsfähigkeit ausgewachsen sind.

Im August waren die EAW-Kulturen fast so hoch wie der Mais

Im August hatten die EAW-Bestände nahezu Höhen wie benachbarte Maisäcker erreicht. Die Landwirte betonten, dass der ergiebige Regen im Sommer vom Mais außerordentlich erfolgreich ausgenutzt wurde und dessen Erträge deutlich über dem langjährigen Durchschnitt lagen.

Unser Wild hatte nun die Kinderstube beendet und nutzte die EAW-Flächen als Lebensraum.

Wir waren auf die Ernte gespannt und Anfang September ging es los.

Die Ernte begann Ende September

Die Landwirte ernteten mit den Gerätschaften, mit denen auch der Mais für die Biogasanlagen geerntet wird. Lediglich durch die vom Sommergewitter umgelegten Sonnenblumen konnte streckenweise nur in der Fallrichtung der Sonnenblumen gefahren werden. Dies ergab längere Fahrzeiten. Dies war für die Landwirte aber kein so ärgerliches Thema, denn sie konnten aufgrund der Einjährigkeit der Sonnenblume diese Erschwernis für nächstes Jahr ausschließen.

Die Biomasse wurde entweder sofort der Biogasanlage zugeführt oder gemeinsam mit dem Mais siliert. Beide Verfahren ergaben keine Probleme.

 

Die ersehnte Stoppelbrache für unser Niederwild im Herbst und Winter

Uns interessierten natürlich ganz besonders der Zustand der Ackerflächen nach der Ernte und die Frage, ob und wie sich die Flächen noch in diesem Jahr wieder begrünen. Dazu haben wir gute Vergleichsmöglichkeiten bekommen, denn in einer Gemarkung wurden die Stoppeln nach der Ernte zusätzlich gemulcht, während sie auf allen anderen Versuchsflächen so blieben, wie die Erntemaschine sie zurückgelassen hatte.

Als herausragenden Vorteil gegenüber der Maisernte war die Mähhöhe von über 25 cm. Jungwild, das sich vor der Maschine auf den Boden drückte, wurde somit kein Opfer der Messer und überlebte die Ernte.

Alle Flächen begrünten sich innerhalb weniger Tage und boten so dem Wild auch weiterhin Deckung und Nahrung.

 

Der Ackerboden bleibt nun im Winter durch die Pflanzenwurzeln bedeckt und kann nicht vom Regen abgewaschen werden. Die Pflanzendecke ist ein genialer Erosionsschutz und wird im Frühjahr zu Beginn der Vegetationsperiode sofort wieder austreiben.

 

Während nun alle anderen Felder gepflügt und sofort wieder mit Wintergetreide oder Raps eingesät werden, bleiben die Traktoren der EAW-Bauern nun in der Garage bis zur nächsten Ernte im Herbst 2012.

 

Die EAW-Bauern sparen sich weiterhin den Ankauf von frischem Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel, weil EAW aus mehrjährigen Pflanzen besteht. Sie sind züchterisch nicht bearbeitet und nicht anfällig für Schädlinge oder Krankheiten.

 

Die Felder werden also nur einmal im Jahr befahren, um den Aufwuchs zu ernten. Die restliche Zeit stehen sie den Tierarten der freien Feldgemarkung als optimaler Lebensraum zur Verfügung.